Die Freude an meiner Arbeit spornt mich täglich an

Mit dem Slogan „das Oberland ist Schrott“ hat er im Wahlkampf für Furore gesorgt. Seit 150 Tagen (Angelobung 9.11.2017) vertritt Dominik Schrott nun die Interessen seines Wahlkreises, dem Tiroler Oberland, im Nationalrat. Zeit, ein erstes Resümee zu ziehen…

 

Frage: Nun sind bereits 150 Tage vergangen, seit du im Nationalrat angelobt wurdest. Ist diese Zeit für dich schnell vergangen?

Dominik: Ja, das ist sie. Vor allem deshalb, weil es viel zu tun gibt. Es ist uns gelungen das umzusetzen, was wir im Wahlkampf versprochen haben: einen Kurswechsel einzuleiten. Wir stehen derzeit noch am Anfang der Veränderung, konnten aber in diesen 150 Tagen einige Schritte setzen. Zum Beispiel haben wir mit dem Familienbonus für Durchschnittsverdiener eine große Entlastung auf den Weg gebracht. Und wir haben die Mehrwertsteuer im Tourismus gesenkt um wirtschaftlich wettbewerbsfähig zu bleiben.

 

Frage: Du hast dich also schnell in Wien zurechtfinden müssen?

Dominik: Ja, ich bin als neuer junger Abgeordneter im Klub herzlich aufgenommen worden. Die Zusammenarbeit mit allen Kollegen ist sehr gut. Als Tiroler genießt man auch einen Sympathie-Bonus in Wien. Noch dazu habe ich ja schon einige Kontakte durch meine Tätigkeit in der Jungen ÖVP gehabt und vor allem einen guten Draht zu Bundeskanzler Sebastian Kurz, der mir in der Einarbeitungsphase sehr geholfen hat.

 

Frage: Du giltst als langjähriger Wegbegleiter bei der Jungen ÖVP als Vertrauter von Sebastian Kurz. Wie hat sich diese Beziehung zum nunmehrigen Bundeskanzler verändert?

Dominik: Die privaten Treffen sind natürlich jetzt etwas weniger geworden – die beruflichen aber dafür um so mehr. Ich bin sehr dankbar für das gegenseitige Vertrauen und auch dafür, dass wir uns trotz voller Terminkalender immer wieder Zeit für einen gemeinsamen Gedankenaustausch nehmen.

 

Frage: Wie hat sich ganz generell der Alltag für dich durch deine Tätigkeit verändert?

Dominik: Die Tage sind nun ziemlich strikt durchgeplant. Wenn ich in Wien bin, folgt eigentlich ein Termin dem anderen. Neben den Plenarsitzungen findet der Hauptteil der Arbeit in den Ausschüssen statt. Darüber hinaus gibt es noch viele Termine in den Ministerien, Verabredungen im Büro und verschiedenen Sitzungen im Klub. Viel Zeit um Wien zu erkunden bleibt da nicht. Ich glaube, ich habe mein Hotelzimmer bislang nur drei Mal bei Tageslicht gesehen. Auch daheim im Oberland versuche ich die Zeit effektiv zu nutzen, um überall hinzukommen. Das ist in drei Bezirken aber nicht immer ganz einfach.

 

Frage: Kommt da das Privatleben nicht zu kurz?

Dominik: Nein, dass ich als Abgeordneter weniger Freizeit habe, war mir schon bei meiner Kandidatur bewusst. Meine Familie und mein Freundeskreis akzeptieren das. Es ist einfach so, dass mich die Freude an meiner Arbeit täglich anspornt. Mir ist vor allem der direkte Kontakt zu den Menschen sowie zu den Gemeinden sehr wichtig, weshalb ich auch weiterhin bei vielen Veranstaltungen und Terminen präsent sein werde.

 

Frage: Welche Themen sind dir derzeit am wichtigsten?

Dominik: Alle Themen, die das Tiroler Oberland betreffen und unsere Region noch lebenswerter machen. Ich selber bin Mitglied im Umwelt- sowie Verkehrsausschuss. Ein großes Anliegen ist mir dabei der Tschirganttunnel. Eine Verkehrsentlastung für die leidgeplagte Bevölkerung ist hier längst überfällig. Zudem bin ich im Südtirol- als auch im Landesverteidigungsausschuss. Ich befleiße mich aber möglichst auch bei allen anderen Themen und vertrete als junger Abgeordneter gerne den einen oder anderen Kollegen in seinen Ausschüssen. Dadurch sammle ich viel Erfahrung und bin thematisch breit aufgestellt.

 

Frage: Wie beurteilst du die Zusammenarbeit mit dem Koalitionspartner FPÖ?

Dominik: Die Zusammenarbeit auf Bundesebene ist ausgezeichnet – sehr sachlich und konstruktiv. In allen Ausschüssen herrscht eine gute Arbeitsbasis. Was ich von den Altgedienten höre, lassen sich die Blauen auf Gespräche ein und lehnen nicht alles gleich alles kategorisch ab, wie es früher die SPÖ gemacht hat. Ich hoffe also, dass gemeinsam mit dem Koalitionspartner in dieser Periode die größten Herausforderungen bewältigt werden können. Das gleiche wünsche ich mir übrigens auch für Tirol und hoffe, dass in den nächsten Jahren nicht alles durch die Grünen verhindert wird. Mit dem Koalitionsübereinkommen bin ich nicht besonders begeistert – beispielsweise im Bereich Verkehr und Skigebietserweiterungen. Stabilität darf nämlich nicht Stillstand bedeuten.

 

Frage: Was war für dich in diesen 150 Tagen am beeindrucktesten?

Dominik: Das beeindruckendste war sicher die Angelobung, der Empfang beim Bundespräsidenten und das Kennenlernen der neuen Kollegen. Ein weiterer großer Moment war natürlich auch meine erste Rede im Parlament. Ich habe mich gefühlt, wie vor der Matura. Man steht mit viel Respekt dort vorne.

 

Frage: Hast du auch negative Erfahrungen gemacht?

Dominik: Was mich schon etwas schockiert hat, sind die Zwischenrufe von einigen Nationalratskollegen – insbesondere von der Opposition. Das sind schon zum Teil sehr persönliche Angriffe, die oft unter die Gürtellinie gehen. Dass es manchmal heftig im Parlament hergeht, wissen die meisten aus dem Fernsehen, es ist aber etwas anderes, es selbst mitzuerleben.